Fritz Winter

Horizonte, 1964, Öl auf textilem Bildträger; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 1999; Geschenk von Gisela und Hermann Freudenberg; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

1905 geboren in Altenbögge bei Unna
1919 – 1927 Ausbildung zum Elektriker, anschließend Elektromonteur und Bergmann
1927 – 1930 Studium am Dessauer Bauhaus bei Wassily Kandinsky, Paul Klee und Oskar Schlemmer
1937 Die Werke Fritz Winters in öffentlichen Sammlungen werden im Rahmen der „Aktion Entartete Kunst“ beschlagnahmt. Mal- und Ausstellungsverbot
1939- 1945 Einberufung zum Kriegsdienst. Soldat im Feldzug gegen Polen und 1941 gegen die Sowjetunion
1945–1949 Sowjetische Kriegsgefangenschaft in Sibirien und an der Wolga
1949 Gründungsmitglied der Gruppe „ZEN 49“
1955 Professur an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Kassel
1955 und 1955 Teilnahme an der documenta  I und II in Kassel
1976 gestorben in Herrsching am Ammersee

Die Biographie von Fritz Winter weist noch in den künstlerischen Anfängen eine Reihe von Lehrer auf, deren Stellung in der Avantgarde der klassischen Moderne bedeutend ist: Albers, Klee, Kandinsky und Schlemmer am Dessauer Bauhaus, Kirchner und Naum Gabo treten in nachfolgenden Atelierbesuchen hinzu. Als Gründungsmitglied der Gruppe „ZEN 49“ beteiligt sich Fitz Winter neben Willi Baumeister, Rolf Cavael und Ruprecht Geiger an der öffentlichen Diskussion der gegenstandslosen, abstrakten Künstler gegenüber der abbildenden Kunst.
„Es bedarf eines größeren Glaubens und einer größeren Kraft, Unsichtbares in freier Gestaltung sichtbar zu machen, als Sichtbares und Fassbares immer nur als solches zu bestätigen.“ (F. Winter)
In den unterschiedlichsten Werkphasen hat sich Fritz Winter dem kompositionellen Verhältnis von Farbe, Linie, Form und Bildraum gestellt.
Mit den Werken Anfang der 60er Jahre begann Fritz Winter zunehmend, die Farbe als ausschließlichen Gestaltungsträger einzusetzen und auf die Linie zu verzichten.
Die Farbmodulationen, zu denen auch das Gemälde Horizonte von 1964 zählt, gehen von einem Grundton der Bildfläche aus, dem Farbakkorde zugesellt werden. In den horizontalen Bändern des Mannheimer Gemäldes werden mithilfe von senkrechten Pinselstrichen Farbstufungen möglich, die zwischen warmen und kalten Polen changieren, aber auch Hell und Dunkel in der Abfolge der Horizontalen miteinbeziehen. Die zwei Horizontbänder oberhalb der vertikalen Bildhalbierenden treten aus der eher dunkeltönigen Grundstimmung des Gemäldes wie Lichtfelder hervor und öffenen den Bildraum in die Weite. Bemerkenswert ist, wie Fritz Winter die lasierende und dünn vertriebene Farbe an den farbgesättigten Rändern der Horizontalen so verdichtet, dass sie wie eine amorphe Wellenlinie das ausgeklammerte graphisch-lineare Element wieder in die Farbmalerei integrieren.
Nur etwa die Hälfte der zwischen 1961 und 1967 entstandenden Farbmodulationen hielten der kritischen Beurteilung von Fritz Winter stand, die anderen wurden in den nachfolgenden farbkräftigeren Serien mit fest umrissenen, häufig schablonierten Formen wieder übermalt.

RL