Gustav Seitz

Studie zum Catcher, Rückenansicht, 1963/66, Feder in Schwarz; © Gustav Seitz Stiftung, Hamburg
Studie zum Catcher, Vorderansicht, 1963/66, Filzstift in Schwarz; © Gustav Seitz Stiftung, Hamburg

1906 geboren in Mannheim – Neckarau
1922 – 1923 Bildhauerlehrer bei August Dursy, Ludwigshafen
1924 Studium an der Landeskunstschule Karlsruhe bei Georg Schreyögg
1926 – 1932 Studium an der Vereinigten Staatsschule für frei und angewandte Kunst, Berlin, bei Wilhelm Gerstel
1933 Meisterschüler bei Hugo Lederer an der Berliner Akademie der Künste
Studienreisen nach Frankreich, zu Aristide Maillol, Charles Despiau
1947 Berufung als Professor und Lehrer an die Hochschule für Bildende Künste, Berlin-Charlottenburg
1950 Wegen der Annahme des Nationalpreises der DDR und Mitgliedschaft an der in Berlin neugegründeten Deutschen Akademie der Künste (DDR) Entlassung aus den Lehrämtern der Hochschule der Bildenden Künste und von der Technischen Universität Berlin -Charlottenburg. Aufnahme in den Verband Bildender Künstler Deutschlands (DDR).
1951 Leitung des Meisterateliers für Bildhauerei an der Akademie der Künste, Ost-Berlin
Ab 1958 Übersiedlung von Berlin nach Hamburg und Beginn der Lehrtätigkeit an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg
1959 / 1964 Teilnahme an der documenta II und documenta III in Kassel
1966 Schillerplakette der Stadt Mannheim
1968 Teilnahme an der Biennale in Venedig
1969 gestorben in Hamburg

Das Werk des in Mannheim-Neckaraus geborenen Bildhauers Gustav Seitz war zeit seines Lebens der Darstellung der menschlichen Figur gewidmet. Neben der vollplastischen, meist weiblichen Gestalt galt sein Interesse dem Porträt und dem Relief. Geprägt durch die Formauffassung seines Lehrers Wilhelm Gerstel sowie durch die Kunst der Franzosen Aristide Maillol, waren die Figuren des Künstlers zunächst von klarem, ruhigem und geschlossenem Aufbau und klassisch harmonischer Proportierung. In den 50er und 60er Jahren vollzog sich ein Wandel im Schaffen von Seitz, der durch die Auseinandersetzung mit Pablo Picasso, Marino Marini und Henry Moore ausgelöst wurde. Seitz entfernt sich nun zunehmend vom Naturvorbild, die menschliche Gestalt wird deformiert, stelzenhafte dünne Beine scheinen das schwere Körpergewicht kaum tragen zu können. Der Torso als Symbol für Zerstörung und Versehrtheit des Körpers gewinnt an Bedeutung.
Der Geschlagene Catcher, an dem in den Jahren von 1963 bis 1966 arbeitete und von dem die Kunsthalle den Originalgips besitzt, ist eines der wichtigsten Beispiele aus dieser Schaffenszeit. Der massige Körper des Catchers sitzt schwer auf einem Sockel. Während die Beine in Höhe der Wade und oberhalb des Knöchels torsiert sind, fehlen die Arme, seine wichtigsten „Kampfwerkzeuge“, ganz. Der runde, haarlose, stiernackige Kopf zeigt in Augen-, Nasen- und Mundpartie tiefe Kerben, die auf Verletzung hinweisen. Ähnlich wie Henry Moores Warrior with Shield, 1953/54, erzählt der Geschlagene Catcher auf eindrucksvolle Weise von Verstümmelung, von körperlichem Leid und Ausgeliefertsein des Menschen, einem Hauptthema der figurativen Plastik der fünfziger und sechziger Jahre.
Seitz bereitete die Plastik in verschiedenen Zeichnungen vor, die sich durch lebendige Spontanität auszeichnen. Die Ansicht von vorne, hingeworfen mit schnellen, häufig parallel verlaufenden Linien, betont die Gewalt und Kraft des Körpers, der nach rechts gewandte Kopf erscheint im Vergleich dazu viel zu klein. Die gitterartige Linienstruktur erweckt den Eindruck, als sei der Körper, dem hier schon  - wie im Gips - die Arme fehlen, gefesselt, als sei er trotz seiner großen Körperkraft schwach, wehr- und schutzlos. Die formal sparsamere Rückansicht beschränkt sich auf wenige Umrisslinien und einige Parallelschraffuren, die dem Rücken Plastizität verleihen. Die Haltung kommt dem der dreidimensionalen Ausführung nahe, doch ist der Kopf in der Zeichnung etwas tiefer gesenkt.

IH