Jean Tinguely

Hong-Kong, 1963, Alteisen, Pfanne, Räder, Elektromotoren 110 V, alles schwarz bemalt; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 1997; erworben mit besonderer Unterstützung von Heinrich Vetter, Ilvesheim; Boehringer Mannheim, Freudenberg & Co., Mannheimer Versicherung; MVV Mannheimer Versorgungs. und Verkehrsgesellschaft; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

1925 geboren in Fribourg, Schweiz
1941 – 1944  Lehre als Dekorateur
1944 Studium an der Kunstgewerbeschule in Basel
1952 Übersiedlung mit seiner Frau Eva Aeppli, Schweizer Materialkünstlerin, nach Frankreich
1955 / 1956 Bekanntschaft mit Yves Klein und Niki de Saint Phalle
1960 Gründung der Gruppe der «Nouveaux Réalistes» in Paris
1961 Beginn der Zusammenarbeit mit Niki de Saint Phalle
1966 Entstehung der begehbaren Riesenskulptur «Hon», in Zusammenarbeit mit Niki de Saint Phalle und Per Olof Ultvedt im Moderna Museet in Stockholm
1968 Übersiedlung in die Schweiz
1971 Heirat mit Niki de Saint Phalle
1983 Einweihung der „La Fontaine Stravinsky“ in Paris, ein Gemeinschaftswerk mit Niki de Saint Phalle
1991 gestorben in Bern


Der 1925 in Fribourg (Schweiz) geborene Jean Tinguely ist ohne Zweifel einer der bedeutendsten Plastiker des 20. Jahrhunderts.
Berühmt wurde der in den späten fünfziger Jahren durch seine „Meta-Matcis-Phantasiemaschinen“, die mit ihren bewegten Elementen programmierte Zufallselemente in das Kunstwerk einbeziehen, Maschinen, die er für die Herstellung von Zeichnungen anfertigte und mit denen er sich gleichzeitig ironisch zu informellen Kunst vieler Zeitgenossen äußerte, aber auch durch Maschinenskulpturen, die sich selbst zerstörten.
Das Leitmotiv seiner Arbeiten, die aus ratternden Motoren, knarrenden Rädern oder unverhofft zuschlagenden Eisen und aus zahlreichen Objets trouvés in From von Wohlstandsschrott aufgebaut sind, ist die Bewegung. Diese Bewegung teilt sich nicht nur optisch mit, sie wird auch akustisch zueinem hörbaren Spektakel für den Betrachter. Die Zuschauer, die den vielfältig verspielten Bewegungen folgen, haben ihren Spaß, werden in eine scheinbar kindliche Welt entführt. Gleichzeitig wird aber durch die bedrohliche Seite dieser Räderwerke sichtbar. Tinguely gelingt es, die Zuschauer mit der Ästhetik des Industriezeitalters auf positive wie auch auf kritische und ironische Weise zu konfrontieren.
Hong Kong ist eine chinesische Stadt, zurzeit der Entstehung der Arbeit eine englische Kolonie. Übersetzt bedeutet Hong Kong „duftender Sund“. Ein großer Wok, das chinesische Kochgerät überhaupt, wird wie eine Schale auf einem langen Arm gehalten. Darüber dreht sich eine lange Spirale, die etwas aus der oder etwas in die Schale zu befördern scheint. Luft wird bewegt, der Duft aus der Schale im Raum verteilt. Die Arbeit Hong-Kong lässt das Spiel mit der menschlichen Gestalt, dem Vehikel und der spröden Materialität, bei gleichzeitigem Reiz einer fast anmutigen Bewegung, auf besonders eindrucksvolle Art und Weise deutlich werden.

TK