Mario Merz

Von Grundmauern, 1996, Stahlrohr, Schraubzwingen und Marmorplatten; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V.; erworben mit besonderer Unterstützung von Asea Brown Boveri AG, Mannheim; Wolfgang Burger; Freudenberg & Co., Mannheimer Versicherung © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

1925 geboren in Mailand
Autodidakt
Um 1967 Mitbegründer der Arte Povera in Turin, Italien

1972, 1977, 1982, 1992 Teilnahme an der Documenta V, VI, VII, IX
1997 Teilnahme an der Biennale Venedig
Auszeichnungen (Auswahl)
1989     Der Kaiserring - Kunstpreis der Stadt Goslar
1983     Oskar Kokoschka Preis
1981     Arnold-Bode-Preis der documenta-Stadt Kassel
2003     Praemium Imperiale für Skulptur
2003    gestorben in Turin, Italien


Mitte der sechziger Jahre war Mario Merz einer der Mitbegründer der Arte Povera in Turin. Betont werden die sinnlichen und poetischen Qualitäten der Materialien, die in Mythologisches, in existenzielle oder subjektive Erfahrungen sowie in die Geschichte eingebunden werden. Die meist „armen“, bisher kunstfremden Materialien werden in ihrem Ausdruckswert, in ihrer „Sprache“ zu subjektiven Metaphern.
Schlichtes Behaustsein zeigt der Künstler prägnant mit seinen Iglus. Doch im Gegensatz zum Schneehaus der Eskimos sind seine Gebäude nicht kompakt und geschlossen, sondern meist lückenhaft locker und labil zusammengefügt. Auf einem Skelett aus Metallröhren und Schraubzwingen werden die einzelnen Teile nur lose abgelegt.
Gerade das Unfertige, Nicht-Perfekte verdeutlicht sein auf den Idealen der 68er- Bewegung basierendes Gesellschaftsbild, das nicht in Strukturen erstarrt, sondern Vollkommenheit als ständigen Wandel begreift. Der Iglu erweist sich nicht als nostalgische Reminiszenz an längst vergangene Zeiten, sondern ist für Merz ein Entwurf für die Zukunft.
Obwohl der Künstler für die eigens für Mannheim entworfene Arbeit Von Grundmauer, 1996, schweren Mamor verwendet, wirkt der Iglu leicht und licht. Die unterschiedlichen farbigen und geaderten Platten-Abfallprodukte aus verschiedenen Steinbrüchen bei Carrara – sowie ihre unregelmäßigen Ränder beleben das Äußere. Vor allem jedoch lässt das Licht des Umfelds die Steinmassen zum Himmelsgewölbe werden. Besonders wenn die Sonne durch die Fenster scheint, wird der Marmor wunderbar durchscheinend. Die polierten Platten spiegeln Teile der Umgebung mit all ihren Zufälligkeiten. Diese Arbeit stellt so beispielhaft den Wunsch des Künstlers nach harmonischer Integration des Differenten dar. Der von Offenheit, von Veränderung und von Prozesshaftigkeit geprägte Kunstentwurf korrespondiert mit dem gleichsam wie atmenden, sich nach innen wie nach außen öffnenden Gebilde – eine Utopie in Weiß.
AD