Norbert Kricke

Raumplastik, 1960, Edelstahl, mit Silberhartlot geschweißt; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 1998; gestiftet von Heinrich Vetter, Ilvesheim; © Norbert Kricke Archiv, Berlin

1922 geboren in Düsseldorf
1946 - 1947 Studium an der Akademie der Bildenden Künste Berlin, bei Richard Scheibe und Hans Uhlmann
ab 1964 Professur an der Kunstakademie Düsseldorf
1972 – 1981     Rektor der Kunstakademie Düsseldorf
1959 Teilnahme an der documenta II
1964 Teilnahme an der documenta III und der Biennale Venedig, Deutscher Pavillon
Zahlreiche Großplastiken im öffentlichen Raum
1984 gestorben in Düsseldorf

Eine Skulptur im Raum kann sich als massiver, monolithischer Block ausbreiten oder aber die Konstruktion seiner Körperhaftigkeit wie eine dreidimensionale Zeichnung im Raum entfalten. Nicht mehr primär die menschliche Figur, sondern das Gerüst der Figur, die Entmaterialisierung und Reduzierung der Form bis hin zu der Offenlegung der geometrischen Gesetzmäßigkeit wird für die Bildhauer zunehmend von Bedeutung.
Auf dieser zweiten Entwicklungslinie liegt das ungegenständliche plastische Werk von Norbert Kricke, der sich seit den 50er Jahren ausschließlich mit dem Spannungsverhältnis zwischen Raum und Linie, den Bewegungsimpulsen seiner plastischen Liniensetzungen und deren zeitlicher Ausdehnung in der notwendigen Sehbewegung auseinandersetzte.
„Mein Problem ist nicht Masse, ist nicht Figur, sondern es ist der Raum und die Bewegung- Raum und Zeit. Ich will keinen realen Raum und keine reale Bewegung (Mobile), ich will Bewegung darstellen. Ich suche der Einheit von Raum und Zeit eine Form zu geben.“ (N. Kricke 1954)
Die Raumskulptur von 1960 fällt in die zweite Werkphase Norbert Krickes, nachdem er zuvor von verwinkelten, geschlossenen Drahtbiegungen zu Drahtknäuelungen übergegangen war, die sich aus ihrem Zentrum heraus allseitig in den Raum ausbreiten. In seinem zweiten Werkabschnitt bündelte Kricke die Rundstäbe zu Raumebenen, die sich durchkreuzen, Kehrtwendungen machen und Bögen beschreiben, deren Stabelemente sich wieder vereinzeln, um die zusammengesetzten Ebenenflächen in den Raum auslaufen zu lassen. Die Zentrierung aus einem Bewegungsimpuls heraus und das schwerelose Besitzergreifen der die Skulptur umgebenden Luft zeichnet die Mannheimer Skulptur besonders aus.
Norbert Kricke hat Raumskulptur  als eine Abfolge von Raumausrichtungen aus der die Skulptur tragenden untersten Bogenform aufgebaut. In ihrer langsamen Entwicklung in die Höhe entsteht ein dynamisches Gefüge, ein Bremsen und Beschleunigen durch das Kreuzen von Drahtebenen, oder das Umfassen der offenen Formen zu einem entmaterialisierten Körper mithilfe der halbrunden Biegung im mittleren Kräftezentrum der Gesamtskulptur. Der Vorwärtsschub der gesamten Raumplastik wird durch diagonal gestellte Stabverschweißungen in die Höhe des Raumes geleitet.

RL