Timm Ulrichs

Natur-Teile (3 Baumstämme) mit Tarnfarben-Anstrich (1. und 2. Natur), 1968-70, Holz (entrindete Buchenstämme), farbig gefasst; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 1990; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Timm Ulrichs
Lebt in Hannover, Münster und Berlin
1940 geboren in Berlin
1959 – 1966 Architekturstudium an der Technischen Hochschule Hannover
1961 Gründer der „Werbezentrale für Totalkunst“
1969 – 1970 Gastprofessor an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig
1972 – 2005 Professor für Bildhauerei und Totalkunst an der Kunstakademie Münster
2010 Große Retrospektive im Sprengel Museum Hannover zusammen mit dem Kunstverein Hannover

Timm Ulrichs bezeichnet sich als Totalkünstler. So sagt er, die objektive Grenze der Totalkunst sei die Grenze des Weltalls.
Konzepte sind es, die Timm Ulrichs interessieren, Konzepte, die unsere Sicht der Welt veranschaulichen und gleichzeitig infrage stellen, mit fremdartigen Assoziationen in Verbindung bringen. Der Künstler arbeitet mit zwei Kosmen: mit der Welt und all ihren dinglichen Bestandteilen und mit der immateriellen Welt unserer Gedanken.
Die Arbeit Natur-Teile ist Bestandteil eines größeren Themenkomplexes im Œuvre des Künstlers, in dem er sich mit der Sicht der Welt, Erde, Natur auseinandersetzt.
Was wir sehen, sind drei abgesägte, in der Natur gewachsene Baumstämme mit Ästen, die mit einem „Tarnanstrich“ bemalt sind. Dieser überzieht in unregelmäßigen Formen in den tyischen drei Farben (Olivgrün, Ocker und Braun) die Stämme und Äste wie ein Muster. Tarnanstriche werden vom Militär verwendet, um Objekte und geschlossene Formen durch eine optische Zerlegung in unregelmäßige Elemente in ihre Umgebung visuell aufzulösen und dadurch unsichtbar zu machen. Bei Natur-Teile ist es die Natur, die sich selbst versteckt. Diese Umkehrung der Perspektive auf das „Sich-Unsichtbar-Machen“ verweist auf den Rückzug der Natur vor dem Menschen. Gleichzeitig bedient sich die Natur eines künstlichen, vom Menschen geschaffenen Formenvokabulars, um so in der vereinheitlichenden, aber künstlerischen Form zum Objekt zu werden.
Kennzeichnend für die Arbeitsweise ist die Verwendung eines Musters, das in seiner Banaliät und endlosen, willkürlichen, auch industriellen Reproduzierbarkeit kaum zu überbieten ist.
Es ist kein kunstvolles Ornament, sondern ein banales Muster, das die persönliche Handschrift des Künstlers auf die Idee minimiert. Die gedankliche Bewegung des Betrachters, die Suche nach den Brüchen der logischen Verwendung der Bildvokabeln, ist ein wesentlicher Bestandteil des Kunstwerkes.


TK