Horizonte, 1964, Öl auf textilem Bildträger; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 1999; Geschenk von Gisela und Hermann Freudenberg; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Fritz Winter · Horizonte
16. August 2017

Fritz Winter
Horizonte

 
Düne – Restlicht, 1999, Öl auf textilem Bildträger; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 1999; gestiftet von Heinrich Vetter, Ilvesheim, zum Jahrtausendwechsel; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Düne – Restlicht, 1999, Öl auf textilem Bildträger; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 1999; gestiftet von Heinrich Vetter, Ilvesheim, zum Jahrtausendwechsel; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Lebt und arbeitet in Polling, Oberbayern und Monteventano, Italien

1948 geboren in Planegg bei München
1968 – 1970 Lehre als Verlagsbuchhändler
1970 – 1975 Tätigkeit als Graphiker und Buchgestalter
1973 – 1979 Studium der Philosophie und Religionswissenschaften in Berlin
1976 Beginn der Malerei als Autodidakt
1977 Gründung der Galerie am Moritzplatz in Berlin - Kreuzberg zusammen mit Rainer Fetting Zimmer, Helmut Middendorf und Salomé
1979 Karl-Schmidt-Rotluff Stipendium, Rom
1982 – 1983 Villa-Massimo Stipendium, Rom
1984 Übersiedelung nach Polling, Oberbayern

Expressive Gestik und der Grenzgang zwischen Gegenstandsbezeichnung, Assoziation und Abstraktion sind Kennzeichen der großformatigen Bilder von Bernd Zimmer, der, ohne je eine Akademie besucht zu haben, aus dem unmittelbaren Erlebnis der mexikanischen Wandmalereien von Rivera , Orozco und Siqueiros in den Bildersog der 80er Jahre, der Malerei der Jungen Wilden, hineingezogen wurde. Seine Malereien sind auf die Essenz gebrachte Erinnerungsbilder von Seheindrücken, die sich tief eingeprägt haben und ihren Weg ganz natürlich auf die Leinwand finden. „Und plötzlich ist es da, DAS BILD.“ Ja, das Bild. Wie ein Standbild aus der Bewegung gerissen, eingebrannt ins Gehirn, nicht mehr aus dem Sinn zu bekommen. Es wird gewendet und gedreht; erst fasziniert geliebt, dann angezweifelt und schlecht behandelt: seine Überlebensfähigkeit überprüfend, versuche ich es zu vergessen. Doch nach gewisser zeit – das kann ich kaum beeinflussen – taucht das Bild auf der Leinwand wieder auf. Es erscheint! Ich führe es aus, gelenkt vom inneren Bild“ ( Bernd Zimmer 1988) Berglandschaften, Himmel- , Wellen – und Feuerbilder spielen mit der Dynamik der Naturkräfte und der Befreiung vom zentralperspektivischen Bildeinblick. Mit der Serie von Bildern, in der Motive gewählt wurden, die von oben gesehen werden, erreichte Bernd Zimmer eine Beruhigung seiner Bildbewegung und näherte sich einer größeren geometrischen Abstraktion an. In diesen Arbeiten stellt er die Differenz zwischen der Natur und der Kultur – die Landschaft und den technischen Eingriff des Menschen in die Landschaft – vor Augen. Düne-Restlicht ist ein Stimmungsbild, dessen flächig-transparente Farbmalerei sich allein aus dem materiellen Farblicht entwickelt: Das Ultramarinblau ist die Lichtquelle der Bildes mit dem die Dämmerung der Meereslandschaft anschaulich wird. Das Ocker von Düne und Sandstrand sowie der bläulich-weiße Wellenkamm geben den Hinweis auf das Sujet. Die dialektische Spannung zwischen dem Eigenlicht der Farbe als Naturstoff und der malerischen Setzung der Meereslandschaft deutet an, das hier die Malerei selber in der Gegensätzlichkeit von Natur und Kultur, als Bildfindung, bedacht wird.

RL