Hong-Kong, 1963, Alteisen, Pfanne, Räder, Elektromotoren 110 V, alles schwarz bemalt; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 1997; erworben mit besonderer Unterstützung von Heinrich Vetter, Ilvesheim; Boehringer Mannheim, Freudenberg & Co., Mannheimer Versicherung; MVV Mannheimer Versorgungs. und Verkehrsgesellschaft; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Jean Tinguely · Hong-Kong
16. August 2017
Dämmerungszauber (Nymphen und Faune), 1880, Öl auf textilem Bildträger; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2008; Schenkung aus Privatbesitz; © Kunsthalle Mannheim
Hans Thoma · Dämmerungszauber (Nymphen und Faune)
16. August 2017

Hann Trier
Reich der Mitte II

 
Reich der Mitte II, 1965, Tempera auf textilem Bildträger; Leihgabe des Foerderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 1997; Geschenk von Gisela und Hermann Freudenberg; © Kunststiftung Hann Trier / VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Reich der Mitte II, 1965, Tempera auf textilem Bildträger; Leihgabe des Foerderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 1997; Geschenk von Gisela und Hermann Freudenberg; © Kunststiftung Hann Trier / VG Bild-Kunst, Bonn 2013
1915 geboren in Kaiserwerth bei Düsseldorf
1934 – 1938 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf
1951 – 1955 Reisen nach Südamerika und den USA
1955 – 1956 Gastdozent an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg
1957 – 1980 Professor an der Hochschule für Bildende Künste, Berlin
1955, 1959 und 1964 Teilhnahme an der documenta I, documenta II und documenta III in Kassel
Seit 1967 Atelier in der Toskana
1999 gestorben in Castiglione della Pescaia, Italien

Die Malerie ist für Hann Trier ein einmaliges Ereignis: „Selbst, wenn ich wollte, könnte ich ein solches Bild nicht wiederholen: Es gelänge mir nie, die gleiche Konsistenz der Farbe oder die gleiche Bewegung zu erreichen. Die verwendeten Pigmente beschreiben daher keinen objektiven Sachverhalt: Gleiche Farben unterlägen beim nächsten Mal der Unstabilität des Autors, der ja kein Seismograph ist, zittert er doch selbst.“ (Hann Trier 1985) Viel der jungen Maler der Nachkriegsjahre wollten nicht die Trümmerlandschaft ihrer Umwelt einfach wiedergeben, sondern suchten einen Neuanfang in der Abstraktion. Der Darstellungsgegenstand wurde im Bild zwar ausgeklammert, doch die innere Reaktion auf die Außenwelt sollte noch nachvollziehbar bleiben. Für Hann Trier – ebenso wie für die ihm nahestehenden Künstler des Informel Hans Hartung oder Bernhard Schulze – wurde die Körpergeste als Bildsprache von großer Bedeutung: In einem beidhändigen Malprozess entstanden aus der Malerei sich entwickelnde Bilder, in denen der Rhythmus und die Bewegung bestimmende Faktoren sind. Die Bilder von Hann Trier besitzen in hohem Maße Anklänge an die Natur, wobei die zellenartigen Strukturen der früheren Arbeiten, mit den seriellen Reihungen der Formwiederholungen, in späteren Werken einer geradezu barocken Üppigkeit und räumlichen Sogwirkung wichen. Die Titel der Bilder Hann Triers selbst sind sprechende Zeugnisse. Der Künstler sieht sie als „Metaphern des Malvorganges“, ohne den Betrachter jedoch festlegen zu wollen. Das Reich der Mitte II. – Hann Trier hatte in den Jahren zuvor Südamerika und die USA, nicht aber China besucht – lebt aus seiner Bildwelt: Wie bei einer Rauchentwicklung expandieren die Formen aus einem zentrierten Bildpunkt heraus und greifen in den Bildraum hinein. Dabei bewegt sich Hann Trier zwischen den gegensätzlichen Polen einer schwebenden Leichtigkeit und tektonischen Strenge. Der geschwungene Bogen vom unteren Bildrand in die rechte Bildecke dient als Symmetrieachse für die Diagonalkomposition der blauen Formballungen. Die Pastelltöne des Malgrundes werden zeichnerisch -linear durch die blauen Pinselgesten konkretisiert und von roten Farbzäsuren dynamisch aufgeladen.

RL