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Nam June Paik
Australopithecus Man

 
Nam June Paik · Australopithecus Man · © Nam June Paik Estate
Australopithecus Man, 1991, Aluminiumgestell u.a. mit Teilen alter Fernsehgeräte, Neonleuchten, Monitoren und einem lasergesteuerten Bildplattenspieler; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 1993; © Nam June Paik Estate
1932 geboren in Seoul, Südkorea
1950 – 1965 Studium der Ästhetik, Musik – und Kunstgeschichte in Tokio
1956 – 1958 Studium an den Musikhochschulen München und Freiburg Bekanntschaft mit K. Stockhausen, Freundschaft mit John Cage
1962 Teilnahme am „Fluxus“-Festival, Wiesbaden
1964 Umzug nach New York
1966 erste Installation mit Monitoren
1971 Einzelausstellung im Museum of Modern Art, New York
1977 und 1987 Teilnahme an der documenta VI und VIII in Kassel
1979 bis 1996 Professor an der Kunstakademie Düsseldorf
1993 Zusammen mit Hans Haacke wird Nam June Paik als Repräsentant Deutschlands zur Biennale Venedig eingeladen. Auszeichnung des Pavillons mit dem Goldenen Löwen.
2006 gestorben in Miami
2008 Eröffnung des Nam June Paik Art Center in Yongin, Südkorea
Der 1932 in Seoul, Korea geborene Paik studierte westliche Ästhetik, Kunst und Musikwissenschaften. Anfangs interessierte sich der Aktions-Video-Fluxuskünstler vorwiegend für Probleme der Geräusch – und Klangregie. So verwundert es nicht, dass die Begegnung mit John Cage, der vor allem mit allein vom Zufall bestimmten Klangwelten des Alltags arbeitete, zu einer fruchtbaren Freundschaft wurde. Prägend für Paik ist auch der Zen-Buddhismus, der für ihn zwei Aspekte hat: den Ernst und die Alltäglichkeit. Mit der Video–Kunst sieht er sich in der Lage, zentrale Probleme der menschlichen Existenz wie Chance, Zufall, Wette und Glück konkret anzugehen. Australopithecus Man ist die überdimensionale Skulptur eines Kopfes. Die zahlreichen, auf dem ovalen Gestell spielerisch angebrachten Gegenstände übernehmen Bildvokabeln eines Gesichtes wie Haare, Ohren, Wangen, Augenbrauen, Stirn. Augen und Mund werden in Form von Monitoren, auf denen Videos zu sehen sind, zu den kommunikativen Elementen des Gesichtes. Dort entsteht durch die Dreidimensionalität des Röhrenbildes Tiefe, in die sich der Blick des Betrachters versenken kann. Die rasenden kaleidoskopartigen Bildfolgen der synchron geschalteten Monitore, die nach bestimmten rhythmischen Sequenzen scheinbar zufällig stehenbleiben, ziehen den Blick immer wieder auf sich. Indem Paik dem Bild eines Gesichtes – und es muss als Bild eines menschlich männlichen Gesichtes verstanden werden – aus digitalen Videosequenzen, aus Bildschirmen, Fernsteuerungen und zahlreichen anderen elektronischen Elementen einer High-Tech-Gesellschaft den Namen Australopithecus Man gibt, verknüpft er ein technoides Bild des Menschen mit der Figur, die als die erste Stufe hominider Entwicklung angesehen wird. Damit schafft er einen Bezug zu der ganzen Zeitspanne der Entwicklung des Menschen von ihren ersten Anfängen bis zur Gegenwart, und er konfrontiert das Bild der scheinbar komplexen Moderne mit dem primitiven Ursprung. Das Bild eines Antlitzes selbst hat sich nur marginal verändert. TK