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SANDRA KRANICH

Los 5: Compact Time, 2012, Dosen, Leitern, Zünder, verbrannte Feuerwerkskörper, Stahlseile, elektrische Kabel, gepresst, ca. 33x33x14 cm

Compact Time

2012, Dosen, Leitern, Zünder, verbrannte Feuerwerkskörper, Stahlseile, elektrische Kabel, gepresst, ca. 33x33x14 cm

Drei Fragen an ...

SANDRA KRANICH

Was fasziniert Sie an Pyrotechnik?

  • Mich interessiert das energetische Material, weil es bei seiner Zündung direkt auf den Betrachter einwirkt, in einer Intensität, die alle Sinne anspricht. Mit dem Aspekt der Zeit zu arbeiten und die Möglichkeit eine Bannbreite von Größenverhältnissen zu bespielen, vom kleinen Bildkörper bis zum Himmel, sind weitere Faktoren, die das Material hergibt.

Was war zuerst? Kunst oder Feuerwerk?

  • Da ich vom Zeichnen komme, war bei mir erst die Auseinandersetzung mit Kunst. Das Feuerwerk nutze ich wie einen Zeichenstift.

Wie kann man Kunst und Pyrotechnik zusammen bringen?

  • Herkömmliche Feuerwerke illustrieren meist Musik. Ich verwende das Material in Verbindung mit Bildkörpern oder Skulpturen und entwickle die Choreographie der Feuerwerke aus der Zeichnung heraus. Nach dem Ereignis zeigt sich die freigesetzte Energie in Form von Schmauchspuren auf den Bildkörpern. Oder ich nutze die Pyrotechnik, um metallischen Skulpturen eine andere Form zu geben. „Compact Time“ ist ein Ergebnis eines Feuerwerks aus Zürich (Art and the City, 2012), das aus einem 4 Meter hohem goldenen Dosenhaufen auf dem Vulkanplatz zur Zündung gebracht wurde. Nach zwei großen Feuerwerken wanderte der gesamte Haufen mit den abgebrannten Feuerwerkskörpern, eingebauten Leitern, Stahlseilen und was sonst noch zu der Skulptur gehörte, in eine in der Nachbarschaft gelegene Industriepresse und wurde dort in 40 ähnlich große „Batterien“ gepresst.

Sandra Kranich Zürich (Art and the City, 2012)

SANDRA KRANICH

SANDRA KRANICH


*1971 in Ludwigsburg; lebt und arbeitet in Frankfurt am Main 1995-1998 HFG, Hochschule für Gestaltung, Offenbach am Main; 1998-2001 HfBK Städelschule in Frankfurt am Main in der Klasse von Thomas Bayrle; 2003 Qualifikation zur Pyrotechnikerin.

Ihre Werke
COMPACT TIME

Sandra Kranich, ausgebildete Pyrotechnikerin, nutzt das Feuerwerk als Erweiterung von Zeichnung im dreidimensionalen Raum und interessiert sich dabei vor allem für die Zufälligkeit und die Überraschung, die das Feuerwerk mit sich bringt, vor allem die Spuren, die nach dem Spektakel bleiben und Zeugnis des Prozesses ablegen. Die Kunstwerke von Sandra Kranich lassen sich kaum in eine bestimmte Kategorie einordnen, die befinden sich an einer Schnittstelle zwischen Performance, Aktionskunst, Skulpturen und Malerei. Paral­lel zu ihrem Studium und danach absol­vierte sie eine Ausbil­dung zur Pyro­tech­ni­ke­rin. Sie lernte dabei die Spreng­stoff­ge­setz­ge­bung, beglei­tete einen Profi-Feuer­wer­ker bei der Arbeit an etwa 30 Groß­feu­er­wer­ken und lernte die Eigen­hei­ten der Feuer­werks-Mate­ria­lien kennen. In den Objekten der Werkserie „Compact Time“ aus dem Jahr 2012 – goldene Quader, gepresst aus verbrannten Feuerwerkskörpern, Konservendosen, elektrischen Kabeln, Zündern, Leitern und Stahlseilen – komprimiert sie Zeit und Raum. Sie sind zugleich Resultat und Relikt einer in Zürich entstandenen monumentalen Feuerwerksskulptur, die in einer pyrotechnischen Choreografie aktiviert wurde. Die kompakten Zeitkapseln erinnern einerseits an Batterien, die Energie speichern und geregelt ausgeben, andererseits an unkontrollierbare Apparate, die jederzeit explodieren könnten. Abb.: Cosmic Confusion, Philipp Pflug Contemporary, Frankfurt am Main. Foto: Wolfang Günzel.